INTERVIEW MIT PUBLIKUMSLIEBLING BRANDON WOUDSTRA

LEVERKUSEN.  Brandon Woudstra trug von 2005 bis 2007 das Dress der BAYER GIANTS Leverkusen. Der US-Amerikaner gehörte 2005/06 zu den besten Scorern der Basketball-Bundesliga (17,0 Punkte pro Spiel). Nach dem geglückten Klassenerhalt verlängerte der heute 35-jährige seinen Vertrag um eine weitere Spielzeit beim Rekordmeister und war einer der Leistungsträger für den Playoffeinzug (1:3 gegen Ludwigsburg im Viertelfinale).

Im Jahr 2009 beendete Woudstra nach weiteren zwei Jahren bei den MHP Riesen Ludwigsburg seine Profi-Karriere.
Wir sprachen mit „Woody“ über seine Zeit in Leverkusen und wie es ihm in seinem „weiteren Leben“ ergangen ist.

Brandon, wo erwischen wir dich gerade?

Ich arbeite gerade in meiner Heimatstadt Orange City (Iowa). Dort bin ich als Filialstellenleiter der American State Bank tätig.

Lass uns doch direkt über deine Zeit bei den GIANTS sprechen. 2005 hast du einen Vertrag für die komplette Spielzeit unterschrieben. Was war dein erster Eindruck als du die Rundsporthalle in Leverkusen betreten hast?

Ich war fasziniert! Zuvor habe ich in den Niederlanden und Island gespielt, nun wechselte ich zu einem Verein mit einer großen Historie und einer Vielzahl an Erfolgen. Die Professionalität des gesamten Umfelds hat mich ziemlich beeindruckt.

Der heutige und damalige Headcoach Achim Kuczmann gilt im Leverkusener Basketball als echtes „Urgestein“. Wie würdest du deinen damaligen Trainer beschreiben?

Achim ist einer der smartesten Menschen, die ich im Basketball-Business kennengelernt habe und das Wichtigste: Er macht Dinge nicht komplizierter als sie sind. Ich hab unsere Spielweise damals sehr gemocht und habe großen Respekt vor ihm als Menschen, genauso trat Coach Kuczmann aber auch uns immer entgegen.

In deiner ersten Saison 2005/06 in Leverkusen hatte die Mannschaft mit vielen Auf und Abs zu kämpfen. Erst am Ende der Saison konntet ihr aufgrund einer unglaublichen Siegesserie (sieben Siege in Folge) den Klassenerhalt feiern. Wie würdest du die Spielzeit aus der heutigen Sicht beschreiben?

Es stimmt, wir hatten am Anfang der Saison ziemliche Startprobleme, aber wir kamen immer besser miteinander aus. In den letzten Partien wurde es dann immer besser. Wir waren halt eine Mannschaft, die sehr unerfahren war. Je mehr Spiele wir absolvierten, umso besser wurde es. Am Ende wussten wir, wie man Spiele in der BBL gewinnt.

Mit 17,0 Punkten pro Spiel warst du einer der besten Punktesammler der Basketball-Bundesliga. Man hatte fast den Eindruck, dass die Liga etwas zu „leicht“ für dich ist…

Oh nein, das war es auf keinen Fall. Ich erinnere mich, wie ich nach Weihnachten mit Achim Kuczmann und Otto Reintjes (damaliger Manager) zusammensaß und mir beide sagten, es wird bis zum letzten Spieltag eng werden was den Klassenerhalt angeht. Beide baten mich, mehr zu punkten, also versuchte ich Verantwortung zu übernehmen, und das ist mir ganz gut gelungen. Wir hatten zwar viele gute Spieler in unserer Reihen, aber nachdem ich so viel Vertrauen von den Verantwortlichen erhalten habe, war ich hochmotiviert, den Ball öfter zu werfen.

Nach der Saison hattest du den Vertrag als einer der ersten Spieler der GIANTS verlängert. Was war der Grund dafür?

Ich war sehr glücklich, als man mir eine Vertragsverlängerung anbot, und ich weiterhin mit tollen Spielern wie Gordon Geib oder Nate Fox zusammenspielen konnte. Meine Familie und ich haben uns in Leverkusen auch wirklich Zuhause gefühlt. Ich wusste, dass, wenn wir mit dem Trainerstab weiterhin hart arbeiten würden, wir 2006/07 erfolgreich aufspielen.

In der Tat konntet ihr 2007 die Playoffs erreichen. Mit Spielern wie John Goldsberry, Jared Newson, Derrick Allen oder Nate Fox war die Mannschaft sehr talentiert. Am Ende musstet ihr im Viertelfinale gegen EnBW Ludwigsburg mit einem 1-3 („Best-of-five“-Serie) die „Flügel streichen“.Beschreib uns doch aus deiner Sicht den damaligen Saisonverlauf!

Wir hatten eine sehr interessante Mannschaft mit erfahrenen Spielern und „Europa-Rookies“ wie John Goldsberry, Beckham Wyrick und Jared Newson. Wir brauchten eine gewisse Zeit bis wir ins Rollen kamen. Nach dem wir eine tolle Rückserie gespielt hatten, hatte die gesamte Mannschaft das Gefühl, dass etwas in Playoffs passieren könnte. Doch Jerry Green spielte damals eine unglaubliche Serie gegen uns und wir schieden leider schon im Viertelfinale aus. Trotzdem: In der Mannschaft herrschte eine sehr gute Teamchemie und es hat einfach Spaß gemacht, mit diesen Jungs zu spielen.

Im Anschluss bist zum damaligen Endrundengegner nach Ludwigsburg gewechselt. Nach zwei Jahren in Baden-Württemberg hast du dann deine Karriere als dreifacher „BBL-Allstar“ im Alter von 28 Jahren beendet.Was waren die Gründe für dein Karriereende?

Es gab viele verschiedene Gründe, die mich damals zu diesem Entschluss bewegt haben. Meine Frau stand kurz vor der Geburt unseres Sohnes und wir wollten wieder zurück in die Staaten. Natürlich habe ich mit mehreren Teams gesprochen darunter auch Ludwigsburg, aber nach der Wirtschaftskrise klafften Realität und Vorstellung weiter auseinander. Meine Tochter kam ins Vorschulalter und wir kauften ein Haus in Iowa…all dies waren Gründe für mein Karriereende. Im Nachhinein hätte ich noch gerne ein bis zwei Jahre gespielt aber damals war dies die einzig richtige Entscheidung für uns!

Im Jahr 2008 war für die BAYER GIANTS dann aufgrund finanzieller Probleme Schluss in der Bundesliga. Kannst du dich noch an deine Gedanken diesbezüglich erinnern?

Ich war traurig, nicht nur was Leverkusen angeht, sondern auch für die Bundesliga, schließlich verlor die erste Liga einen absoluten Traditionsverein. Dies war auch einer der Gründe weshalb ich die Giants in Richtung Ludwigsburg verließ, denn wir wussten, dass die BAYER AG ihre Sponsorenausrichtung ändern wollte.

Nach einigen Jahren, konnten sich die GIANTS von der Regionalliga bis in die ProA vorspielen bevor man nun wieder in die ProB absteigen musste. Verfolgst du die derzeitige Entwicklung in Leverkusen?

Natürlich! Speziell die Saison als Matthias Goddek noch für die GIANTS spielte. Es ist auch immer wieder schön Achim Kuczmann an der Seitenlinie zu sehen. Besonders lustig ist es, wenn sein Sohn Michael auf dem Parkett aktiv ist. Ich kannte ihn noch als Jungen, nun ist er ebenfalls Teil der Mannschaft.

Was waren besondere Momente die du in Leverkusen erlebt hast?

Da muss ich einige herausheben. Meine Tochter wurde in Leverkusen geboren, deshalb wird dieser Ort immer etwas Besonderes für unsere Familie sein. Auch der Klassenerhalt in der ersten Saison sowie die tollen Derbys gegen Köln werde ich immer in guter Erinnerung behalten.

Viele Fans interessiert was Brandon Woudstra heute macht. Was machst du beruflich und spielst du noch Basketball?

Ich bin Filialleiter der American State Bank in Orange City. Basketball spiele ich schon noch, aber halt alles auf einem nicht so ernsthaften Level. Ich lebe in einer kleinen Stadt und allzu viele Möglichkeiten zu spielen gibt es nicht, was auch völlig okay, ist weil ich immer älter und langsamer werde. Das wichtigste aber ist, dass ich nach wie vor gut werfen kann (lacht).

Plant Familie Woudstra denn einen Trip nach Leverkusen in nächster Zeit?

Das ist auf jeden Fall in den nächsten Jahren angedacht. Wie ich schon erwähnt habe, ist meine Tochter in Leverkusen geboren und ich glaube es wäre schon etwas Besonderes ihr den Ort zu zeigen, an dem sie auf die Welt kam. Ich bin schon ganz aufgeregt wenn ich an diesen Moment denke.

Gibt es vielleicht noch irgendetwas was du loswerden willst?

Ich möchte mich bei allen Fans, Mitspielern und der gesamten GIANTS-Familie für die damalige Unterstützung meiner Familie bedanken. Wir haben unsere Zeit in Leverkusen sehr genossen und erinnern uns rückblickend gerne an die zwei Spielzeiten. Euch allen liebe Grüße nach Deutschland!